7. Internationales Caritas Friedenslager Jordanien
CARITAS-FRIEDENSLAGER IM KRIEG
Vom 10.-31. Juli 2006 fand in der jordanischen Hauptstadt Amman das 7. inter-nationale Friedenslager der Caritas für bedürftige Kinder aus dem ganzen Nahen Osten unter der Patronanz von Königin Rania Al Abdullah von Jordanien statt. Trotz einer Welle von Gewalt im Nahen Osten (Libanon, Palästina, Irak) zeigten 94 Kinder aus sieben Nationen, dass ein friedliches Zusammenleben möglich ist.
Wie jedes Jahr seit 1999 (mit Ausnahme von 2003 aufgrund des Irak-Krieges) organisierte die Caritas Salzburg auch im Sommer 2006 in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen bewährten Projektpartnern aus dem ganzen Nahen Osten ein internationales Friedenslager für bedürftige Kinder aus der Region. Dieses Lager findet jeden Sommer in einem anderen Land statt und nach 2002 war es bereits das zweite Mal, dass die Aktion in Jordanien durchgeführt wurde.
Die Ziele des Projekts
Die Ziele sind im Lauf der Jahre immer gleich geblieben - und zwar sollen die Lager
• einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten
• dem Abbau von Vorurteilen dienen
• zur Stärkung von gegenseitiger Achtung und Toleranz beitragen
• Interesse für andere Religionen und Kulturen wecken
• sowie sozial benachteiligten Kindern unbeschwerte Ferien ermöglichen.
Teilnehmer waren in diesem Jahr 94 bedürftige Kinder (Waisenkinder, Flüchtlingskinder, Straßenkinder sowie Sozialfälle) im Alter von 10 - 13 Jahren aus insgesamt sieben verschiedenen Ländern des Nahen Ostens: Libanon - Syrien - Palästina - Jordanien - Irak - Ägypten sowie Jemen. Um der in der Region üblichen Bevorzugung von Buben entgegenzuwirken, waren per Vorgabe 2/3 der teilnehmenden Kinder Mädchen und nur 1/3 Buben. Die Kinder gehörten ca. einem Dutzend verschiedener christlicher und muslimischer Konfessionen an.
Gewaltfreie Konfliktlösung
Das Lager wurde in Zusammenarbeit mit SOS-Kinderdorf Jordanien sowie mit Unterstützung der Caritas Jordanien durchgeführt. Quartier der Kinder und ihrer Betreuer (zusammen mehr als 130 Personen) war - wie bereits im Jahr 2002 - die Theodor Schneller-Schule (die frühere Deutsche Schule) am Stadtrand von Amman. Hier gab es vielfältige Aktivitäten, bei denen immer ein besonderer Wert auf die Vermittlung der Ziele des Lagers (Frieden/Toleranz) gelegt wurde: Gruppenarbeiten, Kirmes und Wettspiele, Sport, Basteln und Singen. Zu den Gruppenarbeiten gehörten etwa auch altersgerechte Workshops mit professionellen Trainern zu Themen wie gewaltfreie Konfliktlösung.
Ein besonderer Stellenwert wurde auch der Vorbereitung und Durchführung von Na-tionalabenden aller beteiligten Nationen eingeräumt: hier hatten die verschiedenen Delegationen die Gelegenheit, ihr jeweiliges Heimatland zu präsentieren - durch landestypische Gerichte sowie durch die Präsentation von mit großem Einsatz einstudierten Folklore-Darbietungen. Am Ende des Lagers gab es dann einen Internationalen Abend, bei dem die besten Stücke der verschiedenen Nationalabende vor Publikum aufgeführt wurden.
Darüber hinaus gab es auch zahlreiche Ausflüge zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Landes, so z.B. nach Amman, zu den römischen Ruinen von Jerash im Norden des Landes, nach Madaba, auf den Berg Nebo sowie ans Tote Meer. Außerdem standen Besuche in den beiden SOS-Kinderdörfern in Amman und in Irbid und gemeinsame Aktivitäten mit den dort lebenden Kindern auf dem Programm.
Stigmatisiert und ausgegrenzt
Alle am Lager teilnehmenden Kinder verließen zum ersten Mal im Leben ihr jeweiliges Heimatland, viele schwammen zum ersten Mal in einem Schwimmbad oder aßen erstmals in einem Restaurant. So handelte es sich etwa bei den sechs Kindern aus dem Jemen um die Kinder von Leprakranken, die zum ersten Mal überhaupt das Leprazentrum in der Stadt Taiz verlassen hatten und im Kontakt mit den anderen Kindern erst langsam auftauten - in ihrer Heimat haben sie nämlich keinen Kontakt zu Gleichaltrigen, da sie aufgrund der Krankheit ihrer Eltern stigmatisiert sind und von allen gemieden werden.
Die Caritas Salzburg ist zwar Initiator und Organisator dieser im Nahen Osten einzig-artigen Aktion, mittlerweile beteiligen sich jedoch auch schon zahlreiche andere nati-onale Organisationen aus dem Netzwerk der Caritas Internationalis an der Finanzie-rung dieses Projektes. So wurde das Friedenslager 2006 etwa gemeinsam von der Caritas Internationalis (Vatikan) sowie den Caritasorganisationen von Österreich, Deutschland, Frankreich, Holland, Schweden, Luxemburg und den USA finanziert, was die Einzigartigkeit der Aktion unterstreicht.
Besondere Herausforderung durch Ausbruch des Krieges im Libanon
Der völlig überraschende Ausbruch des Krieges im Libanon belastete die Durchführung des Lagers erheblich; insbesondere erwiesen sich die tragischen Ereignisse als äußerst belastend für die aus dem Libanon stammenden Teammitglieder. Nach intensiven Überlegungen wurde nämlich beschlossen die Kinder erst kurz vor Ende des Lagers über die Situation im Libanon zu informieren, um sie so wenigstens noch einige unbeschwerte Urlaubstage vor der Rückkehr ins Kriegsgebiet verbringen zu lassen. Tatsächlich gelang es bis zum Schluss, die schrecklichen Nachrichten aus dem Libanon von den Kindern fernzuhalten, was jedoch speziell für die libanesischen Betreuer nicht einfach war: tagsüber mussten sie fröhlich sein und mit den ihnen anvertrauten Kindern lachen und scherzen und am Abend waren sie vor dem Fernseher versammelt, um mitzuverfolgen, wie ihre Heimat Tag für Tag mehr im Chaos versank. Ihre Einsatzbereitschaft kann nicht hoch genug gelobt werden, denn dadurch haben sie wesentlich zum guten Gelingen des Lagers trotz der so schwierigen Rah-menbedingungen beigetragen.
Kurz vor Ende des Lagers wurden die Kinder dann schließlich in kindgerechter Weise mit Unterstützung eines erfahrenen Psychologen auf die Situation in ihrer Heimat vorbereitet. Zum Erstaunen vieler außenstehender Beobachter nahmen die Kinder die Nachricht viel besser auf als befürchtet (libanesische Kinder sind aufgrund der ständigen Spannungen und Krisen in ihrer Heimat offensichtlich an schlechte Nachrichten gewöhnt) und insbesondere die Tatsache, dass man allen telefonischen Kontakt mit den Eltern ermöglichen konnte (was normalerweise während des Lagers verboten ist) trug wesentlich zur Beruhigung der Kinder bei.
Tränenreicher Abschied von neuen Freunden
Am 31. Juli reisten alle anderen Teilnehmer nach einem tränenreichen Abschied in ihre jeweiligen Heimatländer zurück, während die Libanesen zunächst nach Tartous in Syrien (nahe der libanesischen Grenze) fuhren, wo sie eine Nacht in einem Zentrum verbrachten, das von einer Partnerorganisation der Caritas Salzburg geleitet wird. Am nächsten Tag wurden sie von dort an die Grenze gebracht, von wo sie von Kleinbussen der verschiedenen Schulen, die die Kinder für das Lager ausgewählt hatten, abgeholt wurden (an diesem Tag war glücklicherweise ein Waffenstillstand in Kraft).

