8. Internationales Friedenslager
Das 8. Internationales Friedenslager der Caritas im Nahen Osten setzte Zeichen für ein friedliches Zusammenleben
Organisiert wird dieses in der ganzen Region einzigartige Friedens- und Versöhnungsprojekt seit 1999 alljährlich von der Caritas Salzburg, in diesem Jahr in enger Zusammenarbeit mit ihrer ägyptischen Schwester-Organisation, der Caritas Ägypten.
Beschwerliche Planung durch die politische Situation
Nachdem das bislang letzte Friedenslager im Sommer 2006 massiv von den israelischen Angriffen auf den Libanon überschattet wurde und das Lager 2007 aufgrund der unruhigen politischen Situation in der ganzen Region aus Sicherheitsgründen leider abgesagt werden musste, war das Lager im Sommer 2008 zwar von der Zahl der teilnehmenden Nationalitäten im Vergleich zu 2006 etwas reduziert (so musste leider aufgrund des drohenden Ausbruchs eines neuen Bürgerkrieges im Libanon auf die Teilnahme der libanesischen Kinder sowie der aus Flüchtlingslagern im Libanon stammenden palästinensischen Kindern verzichtet werden), aber immerhin konnte die Aktion ohne neuerliche Schwierigkeiten oder Hindernisse politischer Natur erfolgreich durchgeführt werden.
Ferien vom tristen Alltag im Slum
Teilnehmer des Lagers waren 80 Kinder im Alter zwischen 10 und 14 Jahren aus fünf arabischen Staaten: Ägypten, Sudan, Irak, Syrien und Jemen. Es handelte sich dabei durchwegs um die Ärmsten der Armen, die von bewährten Projektpartnern der Caritas Salzburg in den jeweiligen Ländern für die Teilnahme am Lager ausgewählt worden waren: Kinder aus dem Slum Haggana am Stadtrand von Kairo, Straßenkinder aus zwei von der Caritas Salzburg unterstützten betreuten Wohnprojekten der Caritas Ägypten für Straßenkinder in Kairo und Alexandria, in Ägypten lebende Kriegsflüchtlinge aus dem Süd-Sudan bzw. aus dem Irak, bedürftige Kinder aus der Region Raqqa im Norden Syriens sowie um Kinder von Lepra-Kranken aus einem Leprazentrum in der Stadt Taiz im Jemen.
Ehrenamtliche Mitarbeit ist unverzichtbar
Betreut wurden die Kinder während des Lagers von einem engagierten dreißigköpfigen Betreuer-Team aus 10 Nationen, die alle ehrenamtlich tätig waren: Ordensschwestern von vier verschiedenen Ordensgemeinschaften, ein Team von Animateuren (darunter erstmals auch ein professioneller Sportlehrer aus dem Libanon) sowie LehrerInnen, Sozialarbeiter und StudentInnen als Gruppenleiter bzw. für sonstige Aufgaben.
Traditionell waren 2/3 der teilnehmenden Kinder Mädchen, um der ansonsten im Nahen Osten weit verbreiteten Bevorzugung von Buben entgegenzuwirken und mehr als 40 % der Kinder waren Muslime, die übrigen gehörten zahlreichen verschiedenen christlichen Konfessionen an: römisch katholisch, griechisch katholisch, syrisch katholisch, syrisch orthodox, armenisch orthodox, koptisch-orthodox…
Friedenserziehung ist ein wichtiges Element des Lagers
Das Quartier der Kinder während des dreiwöchigen Lagers war das wunderschöne, inmitten eines großen und prachtvollen Parks gelegene, Kloster Tito der Barmherzigen Schwestern. Es handelt sich dabei um den ehemaligen Palast eines osmanischen Paschas, der nach dessen Tod von seiner Witwe dem Orden vermacht wurde und deshalb - dem Wunsch der Witwe des Paschas entsprechend - bis heute für soziale Projekte genutzt wird.
Vielfältige interessante und abwechslungsreiche Aktivitäten wie Basteln, sportliche Aktivitäten und Wettkämpfe, Gruppenarbeiten zu verschiedenen Themen (u.a. Kinderrechte), aber auch Workshops zu Themen wie Kommunikation, Versöhnung und gewaltlose Konfliktlösung mit einem professionellen arabisch-sprachigen Trainer fanden im Kloster Tito statt und von hier aus wurden auch zahlreiche Ausflüge in die Umgebung unternommen, um entweder am Meer zu baden, einen Zirkus zu besuchen bzw. die Sehenswürdigkeiten der Millionenstadt Alexandria kennen zu lernen, wie etwa den Königspalast Montazah, die Zitadelle Qait-Bay (erbaut auf den Ruinen des antiken Leuchtturms von Alexandria, der einst zu den sieben Weltwundern der Antike zählte) oder das Nationalmuseum.
Der österreichische Botschafter in Ägypten, Dr. Thomas Nader, lud die ganze Gruppe in einen Aqua-Park ein (und kam auch persönlich, um mit den Kindern zu schwimmen) und natürlich durfte auch ein Tagesausflug nach Kairo nicht auf dem Programm fehlen, wo die Kinder zunächst die Pyramiden besuchten, dann vom französischen Botschafter in einem nahegelegenen Restaurant zum Mittagessen eingeladen waren und den ganzen Nachmittag durften sie schließlich auf Einladung der Deutschen Botschaft in Kairo nach Herzenslust in einem Vergnügungspark spielen.
Zum ersten Mal im Restaurant
Für viele der Kinder waren all dies erstmalige und einzigartige Erfahrungen: so hatten etwa die jemenitischen Kinder zuvor noch niemals das Leprazentrum in ihrer Heimatstadt Taiz verlassen - nun waren sie zum ersten Mal im Leben mit einem Flugzeug geflogen, sahen zum ersten Mal im Leben das Meer und aßen erstmals in einem Restaurant.
Alle Aktivitäten während des Lagers sollten zur Erreichung der Ziele des Projektes beitragen, die seit Beginn der Aktion immer gleich geblieben sind. So soll das Lager
● einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten
● dem Abbau von Vorurteilen dienen
● zur Stärkung von gegenseitiger Achtung und Toleranz beitragen
● Interesse für andere Religionen und Kulturen wecken
● grenzüberschreitende Freundschaften initiieren
● sowie sozial benachteiligten Kindern unbeschwerte Ferien ermöglichen.
Diesem Zweck dienten auch die Nationalabende gegen Ende des Lagers - hier konnten die Kinder der unterschiedlichen Nationen ihren neugewonnenen Freunden ihr jeweiliges Heimatland durch während des Lagers einstudierte Folklore-Darbietungen in den jeweiligen Landestrachten, aber auch durch landestypische Gerichte, präsentieren. Die besten Stücke der verschiedenen Nationalabende wurden dann am vorletzten Abend im Rahmen eines Internationalen Abends vor Publikum (Mitarbeiter der Caritas Ägypten, aber auch Freunde und Förderer der Aktion) aufgeführt.
Dank an das Caritas Netzwerk
Ermöglicht wurde dieses einzigartige Friedensprojekt durch die finanziellen Beteiligungen zahlreicher Mitgliedsorganisationen des internationalen Netzwerkes der Caritas: Caritas Salzburg, Caritas Deutschland, Caritas Schweden, Caritas Frankreich, Caritas Luxemburg, Cordaid (= Caritas Holland) sowie CRS (Catholic Relief Services = Caritas USA).

