Caritas Friedenslager 2005 im Libanon

97 Kinder aus acht verschiedenen arabischen Staaten verbrachten auf Initiative der Caritas Salzburg drei erlebnisreiche Wochen im Libanon.

Von 6.-26. Juli 2005 organisierte die Caritas Salzburg in enger Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsbüro der Caritas Libanon das mittlerweile bereits sechste internationale Friedenslager für bedürftige Kinder und Jugendliche aus dem ganzen Nahen Osten. Dieses Lager ist nur eines von mehreren Projekten im Rahmen des Arbeitsschwerpunktes "Friedens- und Versöhnungsarbeit" der Caritas Salzburg. Es soll einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten, dem Abbau von Vorurteilen dienen, zur Stärkung von gegenseitiger Achtung und Toleranz beitragen, Interesse für andere Religionen und Kulturen wecken sowie nicht zuletzt sozial benachteiligten Kindern unbeschwerte Ferien ermöglichen.

97 Kinder freuen sich über gemeinsame Ferien

Diese Aktion, die seit 1999 durchgeführt wird, findet jedes Jahr in einem anderen Land der Region statt und jedes Jahr wird eine zusätzliche Nation in das Projekt eingebunden. Die 97 teilnehmenden Kinder des Lagers 2005 im Alter von 9-14 Jahren aus dem Libanon, Syrien, Jordanien, Palästina, dem Irak, Ägypten, Sudan sowie aus dem Jemen fanden mit ihren 30 Betreuern gastfreundliche Aufnahme in der Technischen Schule St. Joseph der Lazaristen in der Nähe der Ortschaft Bikfaya im Libanongebirge, die seit vielen Jahren wesentlich von der Caritas Salzburg unterstützt wird und ideale Rahmenbedingungen für das Lager bot.

Die Kinder, die von lokalen Projektpartnern der Caritas Salzburg in den jeweiligen Ländern für die Teilnahme am Lager ausgewählt worden waren, gehörten 12 unterschiedlichen christlichen und muslimischen Konfessionen an. 2/3 der Teilnehmer waren per Vorgabe Mädchen, wodurch der ansonsten im Nahen Osten weit verbreiteten Bevorzugung von Buben entgegengewirkt werden sollte. Bei den Kindern handelte es sich durchwegs um sozial besonders Benachteiligte, wie etwa Waisen- und Flüchtlingskinder, Straßenkinder oder Sozialfälle. Viele aßen während des Lagers zum ersten Mal im Leben in einem Restaurant oder schwammen in einem Schwimmbad.

Die Nationalabende werden mit viel Engagement und Eifer vorbereitet

Mit viel Eifer und großem Einsatz vorbereitete Nationalabende mit Tänzen und Liedern, aber auch den Nationalgerichten der jeweiligen Länder, boten den Kindern die Möglichkeit, die Traditionen und die Kultur der jeweils anderen Länder näher kennen zu lernen. Die besten Stücke der verschiedenen Nationalabende wurden dann gegen Ende des Lagers vor großem Publikum, darunter auch der österreichische Botschafter im Libanon, aufgeführt. Zahlreiche Ausflüge zu den touristischen Sehenswürdigkeiten des Libanon (Baalbek, Byblos, Sidon, Zedern,...) ermöglichten den aus dem Ausland kommenden Teilnehmern das bessere Kennenlernen des Gastlandes. Die Kinder wurden sowohl vom österreichischen als auch vom italienischen Botschafter im Libanon zu Essen in Restaurants eingeladen, ein weiterer Höhepunkt war sicherlich die Einladung des Luxushotels "Sheraton Coral Beach" zum Essen und Baden. 

Workshops zum Thema "Frieden und Konfliktlösung"

Auch im Rahmen des in diesem Jahr besonders hervorgehobenen Friedens-Aspektes wurden Akzente gesetzt: Erstmals konnte mit Frau Diane Hendrick eine Referentin des Österreichisches Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung Burg Schlaining im Burgenland dazu gewonnen werden, eine Woche am Lager teilzunehmen, um mit den Kindern intensiv zum Thema "Frieden und Konfliktlösung" zu arbeiten.

Wer gesehen hat, wie viele Abschiedstränen zu Ende des Lagers vergossen wurden, weiß, dass die Ziele des Lagers sicher erreicht wurden. 

Dieses Projekt ist von seiner Art und Konzeption her im ganzen Nahen Osten einzigartig, weshalb auch zahlreiche andere Organisationen aus dem internationalen Netzwerk der Caritas reges Interesse daran zeigen. So beteiligten sich 2005 etwa die Caritas Internationalis/Vatikan wie auch die Caritas-Organisationen von Deutschland, Frankreich, Italien, Holland, Luxemburg und den USA an der Finanzierung des Lagers.

Eindrücke der Kinder

Kamleh, 13, Jordanien

"Ich wurde nach meinen Eindrücken vom Lager gefragt und was mir besonders gefallen hat.

Mir hat vieles gut gefallen im Lager, aber besonders, dass ich neue Freunde gefunden habe, und die engagierten Betreuer, die ohne Diskriminierung hinsichtlich Rasse, Geschlecht oder Religion (Moslem oder Christ) zusammenarbeiten. Auch die touristischen Ausflüge haben mir gefallen, wie Saida, Baalbek, Byblos, die Zedern, das Nationalmuseum, das Seifenmuseum und die Aqua Parks, Rio Lento und Waves.

Ich habe durch das Lager gelernt, verschiedene Religionen und Ansichten zu respektieren. Ich konnte mit Christen und Moslems ohne Diskriminierungen zusammen sein und mit ihnen kommunizieren. Liebe und Brüderlichkeit sollten unser Zusammenleben bestimmen. Vor allem habe ich gelernt, niemanden nach seiner Religion zu fragen und ihn dadurch in Verlegenheit zu bringen.

Ich fand alle Aktivitäten, die unsere Betreuerin, Ibtissam, organisiert hat, toll.

Ich werde auch Stefan nie vergessen, der versucht hat, uns Freude und Frieden näher zu vermitteln, was ihm auch gelang. Ich war überglücklich und unsere Herzen waren voll Freude. Ich wünsche mir, dass die ganze Welt voll Liebe und Frieden ist."

 

Houssam, 11 Jahre, Sudan

"Es war das erste Mal, dass ich am internationalen Friedenslager der Caritas teilgenommen habe und ich war sehr glücklich, dass ich dafür ausgewählt worden bin.

Alles im Lager war besonders und bedeutsam, speziell der Geist von Liebe und Frieden, den uns die Betreuer vermittelt haben, aber auch dass verschiedene Nationalitäten mit unterschiedlichen Religionen zusammenleben.

Am meisten haben mir die Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten des Libanon gefallen, wie Baalbek und die Zedern, die ich zum ersten Mal besucht habe.

Von den Aktivitäten habe ich die Nationalabende besonders interessant gefunden, durch die ich Bräuche und Traditionen anderer Länder kennen gelernt habe. Es hat mir sehr viel Freude gemacht und ich danke allen Verantwortlichen für dieses Lager."